Tipp der Redaktion

Curcumin in der Medizin

Der Gelbwurzelfarbstoff und seine pharmakologischen Wirkungen

07.04.2008 Brigitte van Hattem

In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird Curcumin bei vielen Krankheiten eingesetzt, doch in Europa kannte man den Stoff nur als Beimischung im Curry.

Doch das hat sich jetzt geändert. Weil Curcumin Entzündungen hemmt und antioxidative Eigenschaften aufweist, ist auch in der westlichen Medizin das Interesse an der Substanz gewachsen.

So haben bereits mehrere Studien an Tieren viel versprechende Ergebnisse beim Einsatz von Curcumin gegen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Alterserscheinungen gezeigt. Außerdem gab es Hinweise darauf, dass die Substanz die fortschreitende Demenz bei Alzheimer verlangsamen kann. Darauf deuten auch Untersuchungen hin, nach denen in Indien, dem Stammland des Currys, sehr viel weniger Menschen an Alzheimer erkranken als in den westlichen Industrieländern.

Mit Curcumin gegen Demenzerkrankungen?

Curcumin kann nicht nur verhindern, dass sich im Gehirn Eiweißplaques bilden, sondern sogar bereits bestehende Ablagerungen auflösen. Das haben amerikanische Forscher bei einer Studie im Labor und mit genetisch veränderten Mäusen gezeigt. Dabei genügten bereits sehr geringe Mengen der Substanz, um diese Effekte auszulösen, berichten Gregory Cole von der Universität von Kalifornien in Los Angeles und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Journal of Biological Chemistry.

Nach der gängigen Theorie bilden sich bei Alzheimer Klumpen eines falsch gespaltenen Proteins namens β-Amyloid. Diese Klumpen lagern sich in der äußeren Hirnrinde ab und lösen eine ganze Reihe von Reaktionen aus, die schließlich zum Tod der Hirnzellen führen. Die Forscher konnten in ihrer Studie zeigen, dass Curcumin sich an einzelne β-Amyloid-Moleküle heftet und so verhindert, dass sich Eiweißplaques bilden. Weitere Untersuchungen belegen, dass Curcumin zudem den Abbau bereits gebildeter Plaques anregt.

Dank seiner chemischen Struktur kann Curcumin sogar die so genannte Blut-Hirn-Schranke passieren, die den Transport von Substanzen aus dem Blutkreislauf ins Gehirn kontrolliert. Die dafür benötigte Menge ist nach Angaben der Forscher gering, so dass sie problemlos mit der Nahrung aufgenommen werden kann. Das macht den Farbstoff ideal für eine Anwendung als Medikament.

Curcumin in der Krebsheilkunde

Interessant ist der gelbe Farbstoff auch in der Onkologie. So verhindert Curcumin nach einer weiteren amerikanischen Studie die Bildung von Metastasen. Das berichteten US-amerikanische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Clinical Cancer Research (2005, 11, 7490-7498). Besonders wirksam scheint eine Kombination der Substanz mit dem Wirkstoff Paclitaxel zu sein, das gegenwärtig bereits zur Behandlung von Brustkrebs eingesetzt wird.

Erst kurz zuvor war bekannt geworden, dass Curcumin in Zellkulturen das Wachstum von Tumorzellen bei schwarzem Hautkrebs verhindert (Cancer 2005, Online-Vorabveröffentlichung, DOI:10.1002/cncr.21216). Dabei wird die Wirkung von Curcumin darauf zurückgeführt, dass es das Eiweiß Nuclear Factor-B (NF-B) hemmt, das eine entscheidende Rolle bei der Ausbreitung von Tumorzellen spielt. Es wird leider von vielen Chemotherapeutika aktiviert, so dass sie nach einer gewissen Behandlungszeit ihre Wirkung gegen den Krebs verlieren oder die Bildung von Tochtergeschwulsten (Metastasen) sogar begünstigen.

Curcumin im Test

Bharat B. Aggarwal von der University of Texas in Houston und seine Kollegen testeten im Tierversuch, ob Curcumin diesen unerwünschten Effekt von Chemotherapeutika aufheben kann. Sie behandelten an Brustkrebs erkrankte Mäuse entweder mit Curcumin, dem Chemotherapeutikum Paclitaxel, einer Kombination aus beiden oder gar nicht.

Die unbehandelten Mäuse entwickelten zahlreiche Tochtergeschwulste in der Lunge. Auch bei den nur mit Paclitaxel behandelten Mäusen bildeten sich häufig Metastasen. Signifikant geringer jedoch war die Rate an Tochtergeschwulsten bei den Mäusen, die entweder allein mit Curcumin oder der Kombination aus Curcumin und Paclitaxel behandelt worden waren.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Studien (Auswahl):

Aggarwal BB, Kumar A, Bharti AC. "Anticancer potential of Curcumin: preclinical and clinical studies." Anticancer Res. 2003 Jan-Feb;23(1A):363-98.

Banerjee M, Tripathi LM, Srivastava VM, Puri A, Shukla R. "Modulation of inflammatory mediators by ibuprofen and curcumin treatment during chronic inflammation in rat." Immunopharmacol Immunotoxicol. 2003 May;25(2):213-24.

Chainani-Wu N. "Safety and anti-inflammatory activity of Curcumin: a component of tumeric (Curcuma longa)." J Altern Complement Med. 2003 Feb;9(1):161-8.

Chaudhary LR, Hruska KA. "Inhibition of cell survival signal protein kinase B/Akt by Curcumin in human prostate cancer cells." J Cell Biochem. 2003 May 1;89(1):1-5.

Chauhan DP. "Chemotherapeutic potential of Curcumin for colorectal cancer." Curr Pharm Des. 2002;8(19):1695-706

Corpet DE, Pierre F Point: From animal models to prevention of colon cancer. Systematic review of chemoprevention in min mice and choice of the model system. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev. 2003 May;12(5):401-4.

Frautschy SA, Hu W, Kim P, Miller SA, Chu T, Harris-White ME, Cole GM. "Phenolic anti-inflammatory antioxidant reversal of Abeta-induced cognitive deficits and neuropathology." Neurobiol Aging. 2001 Nov-Dec;22(6):993-1005.

Weitere Studien auf Anfrage bei der Autorin

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